Ich tappe nicht im Dunklen

Ohne aktuelle und zuverlässige Informationen über Auftrags- und Materialbestände, Stücklisten oder Fertigungszeiten kann der Tischler- und Schreinereibetrieb nicht wirtschaftlich arbeiten. Schreinermeister Matthias Lehr weigerte sich, im Dunklen zu tappen.


Als Schreinermeister Matthias Lehr 2004 die Leitung der zum Aschaffenburger Büro- und Praxis Einrichtungshauses Breitinger gehörenden Schreinerei übernahm, fand er einen Betrieb vor, der sich eigentlich gar nicht leiten ließ. Die dafür notwendigen Informationen waren nämlich nicht zugänglich. Sein Ziel war es, die Schreinerei aus dem Schattendasein als verlängerter Arm des Möbelhauses in die Selbstständigkeit auf dem freien Markt zu führen. Und das hat er geschafft: Heute akquiriert die auf Objekteinrichtungen spezialisierte Schreinerei etwa 50 Prozent ihres Auftragsvolumens losgelöst vom Einrichtungshaus, beschäftigt 25 Mitarbeiter und firmiert seit November 2008 als eigenständiges Unternehmen unter dem Namen Stattura Breitinger GmbH.

Umsatzziel?

An seinem ersten Arbeitstag fragte Matthias Lehr die beiden Werkstattmeister, welches Umsatzvolumen für diesen Monat zu stemmen sei. Sie konnten ihm die Frage nicht beantworten. »Es gab eine Wand, da steckten die Aufträge drin, die sind vom Einrichtungshaus gekommen und wurden nacheinander abgearbeitet. Vor allem aber gab es keine Zeiterfassung und keine Projekterfassung. Wir konnten nichts nachkalkulieren und wussten nicht ob wir wirtschaftlich arbeiten oder nicht. Ich lehnte es ab, im Dunklen zu tappen, und machte mich unverzüglich auf die Suche nach einer Software, die uns einen klaren Überblick verschafft«, sagte Matthias Lehr. In der Branche gängige ERP-Programme (Ressourcenplanung) erschienen ihm zu unflexibel. Die Entscheidung fiel dann auf die branchenneutrale Software »Promas« von ITL, und zwar deshalb, weil zu dem im Preis enthaltenen Betreuungspaket, die Auswertungen, die sich Matthias Lehr gewünscht hat, enthalten waren. Das Investitionsvolumen belief sich für fünf Lizenzen samt Schulung auf 25 000 Euro. »Als erstes nahmen wir das Modul Projekterfassung in Betrieb, danach die Zeitwirtschaft. Meine Mitarbeiter schimpften zunächst, als sie die Fertigungszeiten auftragsweise aufschreiben sollten. Inzwischen erfassen wir sogar die Zeiten für jede einzelne Auftragsposition. Die Erkenntnisse aus der Nachkalkulation kann ich vor allem bei komplizierten Teilen, wie elliptischen Theken für eine spätere Vorkalkulation nutzen. « Als nächste Promas-Komponente nahm die Schreinerei dann die Materialwirtschaft und seit Jahresbeginn das Vertriebsmodul mit den Bausteinen Angebote, Auftragsbestätigung, Lieferschein und Rechnungen in Betrieb. Mit der Einführung der Materialwirtschaft vereinfachte sich dann vieles: Die Bestellungen liefen automatisch und zum optimalen Zeitpunkt ab. Alle notwendigen Informationen, über Rabatte, Mindestbestellmengen usw. lagen auf einen Blick vor. Außerdem berücksichtigt das System bei der Bestellung die Ist-Bestände. Promas unterscheidet zwischen Artikeln, die stückweise vorliegen, und Material, das zuzuschneiden ist. Hier verzichtet Stattura auf weitere Optimierungs- und Automatisierungslösungen, weil die alte Plattensäge von Scheer, sich nicht ohne weiteres mit einer Aufteiloptimierung ausstatten lässt. Aus diesem Grund führt der Sägenführer eine Liste, über jede angefangene Rohformatplatte, die dann manuell aus den Materialbeständen auszubuchen ist. Als Konsequenz läuft die komplette Restplattenverwaltung zurzeit noch manuell.

Nicht nur Kisten

Nachdem das ERP-Programm endlich die notwendige Transparenz in die betriebswirtschaftlichen Zahlen gebracht hatte, stand die nächste Baustelle an, und zwar die Einführung einer Planungs- und Konstruktionssoftware, die zum einen für das komplizierteste Einzelmöbel geeignet sein sollte und zum anderen automatisch Stücklisten für den Export in das ERP-System erzeugen kann. In die Entscheidung, welche Software die richtige ist, bezog Matthias Lehr den Holztechniker und Arbeitsvorbereiter Christian Raups maßgeblich mit ein. Raups stellte den ersten Kontakt zur Firma Moldtech (www.moldtech.de), einem deutschen Vertriebspartner des französischen Softwarehauses Missler, auf der Messe Holzhandwerk im März 2008 in Nürnberg her. Seine Anforderung lautete: »Konstruiert eine elliptische Theke mit gebogener Front und Einbauschränken.« Die Software »Top-Solid.Wood«, die aus dem Designpacket der TopSolid-Produktpalette hervorgegangen ist, überzeugte Raups auf Anhieb, da sie komplexen Formen keine Grenzen setzt. Aus dem 2-D-Grundriss generierte das Moldtech-Team um Thorsten Battram, zuständig für den Vertrieb bei Moldtech, mit TopSolid‘Wood die geschwungene Front derTheke sowie die Thekenplatten. Anschließend definierte er diese als Plattenbauteil. Auf Knopfdruck erzeugt die Software eine Abwicklung der Front sowie die Stückliste. Vor Einführung der Materialwirtschaft erstellten die Arbeitsvorbereiter die Stücklisten manuell anhand der 2-D-Autocad-Zeichnungen in einer Excel-Datei, die ein gewisses Maß an automatisierter Weiterverarbeitung erlaubte. »Fehler minimieren war eines unserer Ziele in der Arbeitsvorbereitung«, so Raups.

Fehlerfreie Stücklisten

Für die Korpusse unter der Thekenplatte griffen die Techniker der Moldtech GmbH auf Baugruppen zurück, die sie nach dem Einfügen über Parameter (Höhe, Breite, Tiefe) an die Form der Theke anpassten. Ebenso verfuhren sie mit den Fronten.Nach diesem Test stand die virtuelle Theke und damit die Entscheidung für den Kauf von TopSolid.Wood fest. Lehr investierte in vier Lizensen der Software und schickte fünf Mitarbeiter zur Schulung. Darüber hinaus realisierten die Techniker von Moldtech bei Stattura eine Schnittstelle zu »WoodWop« und damit an das Bearbeitungszentrum sowie zur ERP-Software Promas. Um fotorealsitische Präsentations- und Angebotszeichnungen zu erstellen kaufte Lehr zusätzlich das Render-Werkzeug »Top- Solid.Image«. Insgesamt kostete die Anschaffung rund 40 000 Euro. Seither spart Stattura rund 25 Prozent Zeit in der Arbeitsvorbereitung. »Überstunden schieben im Büro gehört der Vergangenheit an«, freut sich Mitarbeiter Raups. Grund dafür ist vor allem die Umstellung auf die 3-D-Konstruktion. Mit der fertigen 3-D-Zeichnung erstellen Raups und seine Kollegen gleichzeitig auch die 2-D-Schnittzeichnungen und Materiallisten. Die Materiallisten schickt Raups für die Ausgabe, Materialwirtschaft und Auswertung an die ERPSoftware. Das setzt einen identischen Artikelstamm in Promas und TopSolid‘Wood voraus. »Anlegen tun wir das benötigte Material zunächst in Promas. Auf Knopfdruck oder spätestens beim erneuten Hochfahren der Rechner findet dann der Abgleich der Materialdaten mit TopSolid.Wood statt«, erklärt Raups.Mit Konstruktionssoftware und ERPSystem hat Lehr die Schreinerei nun betriebswirtschaftlichund von den Auftragsabläufen her voll im Griff. AG/GM

 

Kontaktadressen

Stattura - Manufactur für Objekteinrichtung

63741 Aschaffenburg

Tel.: (06021) 3498-80, Fax: -97

www.stattura.de

Missler Software

F-91055 Evry

Tel.: +33 (1) 608720-20, Fax: -30

www.topsolid.de

Moldtech CAD-CAM Systeme

Vertriebs GmbH

33154 Salzkotten

Tel.: (05258) 9364-0, Fax: -24

www.moldtech.de

ITL Software GmbH

63927 Bürgstadt

Tel.: (09371) 9793-0, Fax: -22

www.promas.at